CQ erhält Auftrag für Gutachten zu Livemusik-Clubs auf St. Pauli

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Stadtplanung besteht heute zu einem nicht unwesentlichen Teil aus Konfliktmoderation. Insbesondere in Großstädten treffen wirtschaftliche Interessen, Interessen der Anwohner, Belange des Umwelt- und Emissionschutzes sowie Kultur und Entertainment oft schroff aufeinander. Im
Stadtteil St. Pauli gilt dies in exemplarischer Weise. Die Gegend nördlich und südlich der Reeperbahn war immer zugleich Wohnquartier und Vergnügungsviertel, seit den 1960er Jahren erlangte sie durch die Auftritte der Beatles und anderer Stars in kleinen Clubs wie dem Star-Club, dem Grünspan oder dem Top Ten internationale Berühmtheit als Zentrum der modernen Popularmusik. Dieser Ruf hat sich bis heute erhalten, wenngleich die Clubkultur ebenso wie die Produktivität der Hamburger Musikszene in Wellenbewegungen verlief.

In der Ausschreibung wird auf die kulturelle und ökonomische Bedeutung der Live-Musikclubs (LMC) und auf ihre Bedeutung für die Positionierung
Hamburgs als kreative Metropole mit hoher Lebensqualität und vielfältigen Chancen verwiesen. Sie sind ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal für Hamburg im Allgemeinen und für den Stadtteil St. Pauli im Besonderen. Gleichzeitig werden die unterschiedlichen Konflikte, die die LMC zunehmend in Bedrängnis bringen, benannt. Politik und Verwaltung der Freien und Hansestadt Hamburg und des Bezirks Hamburg-Mitte sind den teilweise miteinander konkurrierenden Werten gleichermaßen verpflichtet: Sie müssen die Wohnqualität erhalten und wenn möglich verbessern, dabei Aufwertung und überproportionale Mietsteigerungen verhindern, dem Umweltschutz genüge tun, gleichzeitig aber die lokale Ökonomie stützen und fördern, das Milieu und historisch gewachsene Baustrukturen bewahren und gleichzeitig eine Verslumung verhindern, die Eigentümerrechte respektieren und verträgliche Investitionen stimulieren, gleichzeitig Spekulantentum und Milieu zerstörende Ansiedlungen verhindern.

Exemplarisch zeigt sich diese Forderung nach der Quadratur des Kreises in der Aufgabe, eine sinnvolle, effektive und verträgliche planungsrechtliche Förderung der LMC auf St. Pauli zu entwickeln. Es geht in erster Linie um die Fragestellung, wie das Bezirksamt Mitte und die FHH Nutzungskonflikte minimieren und auf einer fundierten Grundlage zu einem Erhalt der charakteristischen Nutzungsmischung mit dem spezifischen Schwerpunkt der Livemusik-Clubs beitragen können. Gefordert ist hier nicht nur ein Interessenausgleich, eine möglichst intensive Kommunikation der verschiedenen Akteure und Bewohnerinnen und Bewohner sowie eine kompetente Moderation, sondern auch eine grundsätzliche Analyse der notwendigen und
förderlichen Bedingungen für LMC sowie eine darauf fußende Analyse gesetzgeberischer und verordnungstechnischer Optimierungsmöglichkeiten bezüglich des geltenden Planungsrechts.

Es geht also darum, einen planungsrechtlichen Hebel zu schmieden, der tauglich ist, die Kultur der LMC auf St. Pauli zu heben, ohne dabei das sonstige Umfeld zu schädigen. Dieser Hebel muss passgenau sein und wirklich dort ansetzen, wo er die optimale Kraft erzeugt. Dieser Hebel aus planungsrechtlichen Maßnahmen, aus Verordnungen und möglicherweise aus Gesetzesinitiativen kann nur effektiv werden, wenn er vom politischen Willen aller Beteiligten getragen wird. Bei allen politischen Differenzen im Einzelnen und unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen im Detail ist dies in Hamburg derzeit gegeben. Da das Problem auch andere Großstädte betrifft, sind auch gesetzgeberische Initiativen mehrerer Bundesländer über den Bundesrat denkbar. Auch diese Perspektive wird im Gutachten zu berücksichtigen sein.

Zusammen mit der Planungsgruppe Stadt+Dorf erstellt CQ das Gutachten Anfang 2010.